Montag, 14. November 2011
Wie alles begann!!
Wie lange war ich jetzt nicht beim Arzt gewesen? Keine Ahnung, aber seit ich studiere, hatte ich nur den Zahnarzt aufgesucht. Die Nachricht meines neuen Hausarztes würde bedeuten, dass ich ab sofort ein Abonnement auf lange Wartezeiten in Ärztezimmern aufs Auge gedrückt bekommen habe. Und nur, weil eines meiner Organe den Dienst quittiert hatte. Schönen Dank auch. Nur das Abo konnte ich leider nicht mehr zurückgeben.
Aber alles auf Anfang. Die ersten Symptome traten schon einige Zeit vor meinem Arztbesuch auf. Und zuerst schenkte ich ihnen keine Bedeutung. Schließlich war ich schon vorher morgens total dehydriert aufgewacht. Das lag aber an dem übermäßigen Alkoholgenuß am Abend vorher. Nur dass ich jetzt auch ohne Alkohol den Geschmack eines alten Lappens auf der Zunge hatte. Kurz die Zahnbürste in den Mund geschoben und dann war der Lappen von der Zunge gefegt und aus meinem Hirn gelöscht. Sonst ging es mir gut. Soweit ich es heute rückblickend sagen kann.
Vielmehr schob ich diese ersten schwachen Warnsignale auf den akuten Stress, den ich zu diesem Zeitpunkt ausgesetz war. Kein Geld und meine Abschlussarbeit lief völlig aus dem Ruder. "Also", dachte ich mir an jedem "Lappenmorgen", "kein Grund zur Panik. Das liegt mit Sicherheit an dem latenten Stress, dem ich ausgesetzt war. Es muss daran liegen! Basta! Das wird bestimmt wieder besser."

Wurde es aber nicht. Ich erzielte nun große Fortschritte bei meiner Abschlussarbeit und meinem laufenden Konto ging es merklich besser. Hatte ja jetzt auch zwei Jobs. Und zum Kranksein hatte ich einfach keine Zeit. Mit etwas zeitlichem Abstand kann ich nun wirklich nicht mehr sagen, wie ich das alles geschafft habe. Eigentlich total verrückt. 70-Stunden Wochen waren in dieser Zeit keine Seltenheit. Und das als Student!
Je weniger Stress ich hatte, desto stärker wurden die Symptome. War ich zu Anfang nur morgens dehydriert aufgewacht, so kam es nach etwa einem Monat schon mal vor, dass mich der Durst mitten in der Nacht aus dem Bett schickte.
So, und wenn man was trinkt, was passiert? Genau! Das Getrunkene muss ja auch wieder raus. Also waren die nächtlichen Trinksessions auch immer mit Toilettensessions verbunden. Logisch. Das wunderte mich auch nicht weiter. Vor dem Schlafengehen trank ich manschmal einen halben Liter Wasser auf Ex. Und der musste ja wieder raus. Ich erinnere mich auch noch, dass ich zu meiner Freundin meinte, dass ich zu diesem Zeitpunkt soviel Durst hatte.
Lag ja vielleicht an der Heizungslusft oder daran dass ich tagsüber zu wenig trank. Hätte ja möglich sein können. War aber im Endeffekt nicht die Erklärung. Das konnte ich jedoch noch nicht wissen.
Vielleicht wäre jetzt der ein oder andere schon zum Arzt gelaufen. Nicht ich. Bisher glaubte ich, dass ich jedes kleine Wehwechen aussitzen könnte. Ein blöder Trugschluss. Ein ziemlich beschissener sogar.
Ich war jetzt schon über zwei Monate krank. Ohne es zu wissen. Die Symptome wurden stärker und es kamen Neue hinzu.
Der Durst trieb mich jetzt bis zu viermal aus dem Bett. Und immer gepaart mit einem Besuch der Toilette. Aber es gab auch Nächte, in denen ich durch schlafen konnte. Woran das lag, konnte ich zu dem Zeitpunkt nicht sagen. Mittlerweile bin ich schlauer.
Ein weiteres Symptom war die Appetitlosigkeit. Jeder der mich vorher kannte, wußte, dass ich ein sehr guter Esser war. In der Mensa ging es manchmal soweit, dass ich die Reste meiner Freunde aß. Aber ich verspürte überhaupt keinen Hunger. Na gut, könnte daran liegen, dass ich den ganzen Tag vorm Rechner saß und so vertieft in meiner Arbeit war, dass ich das Essen einfach vergaß. Auch das hätte gut sein können. Während der Prüfungszeiträume in der Vergangenheit kam es schon mal vor, dass ich vor lauter Lernen das Essen vergaß. Dieses Mal war es aber anders. Das kann ich am Besten mit meinem anderen Job erklären. Am Wochenende mimte ich den Tiefbauer auf dem Bau. Und in der Regel verdrückte ich über den ganzen Tag fast ein halbes Brot. Ich war sozusagen der Kolonnenfresssack. Doch jetzt benötigte ich sehr viel weniger. Das fiel meine Arbeitskollegen natürlich auf. Ich sagte einfach, ich brauche im Moment einfachnicht mehr soviel.
Ok, spätestens jetzt hätte ich zum Artzt gehen müssen. Es es verging ein weiterer Monat, bevor ich mich entschloss zum Arzt zu gehen.
Mittlerweile sah ich aus wie ein Hip Hopper aus den 90er. Weil sich mein Arsch verabschiedet hatte und ich nur noch aus Haut und Knochen bestand. Alle Klamotten waren mir mindestens eine Nummer zu groß. Mindestens!
Ich betrat seit einer gefühlten halben Ewigkeit die Praxis eines Allgemeinmediziners. Vielleicht gab es eine einfache Erklärung für alles. Das hoffte ich. Und die Hoffung stirbt zuletzt.
Meine Ärztin fragte nach verschiedenen Krankheiten in meiner Familie, als ich ihr von meinen Leiden erzählte. Jedoch konnte ich ihr die Frage nicht beantworten. Und die aufgezählten Krankheiten nagten ganz schön an der Hoffnung, die noch in mir schlummerte. Ein Bluttest würde dann letzte Gewissheit bringen.

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